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Auswege
  

Allgemeine Tipps

Da es sich bei der Dysmorphophobie um eine Erkrankung handelt, die in der übermäßigen Beschäftigung mit einem vermeintlichen oder leichten körperlichen Makel besteht, wird dazu geraten, die Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenken.

Geeignet sind hier alle zeit- und aufmerksamkeitsintensiven Aktivitäten, bei denen Körper und Geist einbezogen werden (Sport treiben, Musik machen, etwas herstellen …). Dadurch ist zwar das Problem an sich nicht wirklich gelöst, aber es tritt vielleicht mit der Zeit in den Hintergrund und man wird eventuell wieder offen für Neues.

Sport zu treiben, hat mehrere positive Aspekte: es verbessert das Körpergefühl, baut Aggressionen ab und kann vor sozialem Rückzug schützen, etwa wenn man ein Fitness-Studio besucht.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Aufmerksamkeit auf einen anderen Körperteil lenken und diesen besonders pflegen oder trainieren. Auch hier ist zu sagen, dass dadurch das Problem, sich ohne objektiven Grund hässlich zu fühlen, eigentlich nicht gelöst wird. Man kompensiert den Defekt lediglich, indem man in einem anderen Bereich „glänzt“. Jedoch führt dies möglicherweise zu einem gestärkten Selbstbewusstsein und zu einer positiveren Einstellung zu seinem Körper.

Auch wenn es seltsam erscheinen mag – bei akuten Attacken hilft es einigen Betroffenen, sich schlafen zu legen. Sie übergehen damit Phasen, in denen sie sich besonders schlecht fühlen und zu Selbstaggression neigen.

Zu den Aggressionen, die viele Dysmorphophiker fühlen, ist zu sagen, dass man versuchen sollte, diese nicht zu unterdrücken, sondern sich „Ventile“ schaffen sollte. Im Wald laut schreien, ins Kopfkissen boxen, weinen – all diese Verhaltensweisen können dazu beitragen, die Aggression loszuwerden und sich erleichtert zu fühlen. Aber auch sofort darüber zu sprechen, wenn man sich verärgert fühlt, kann hilfreich sein.

Einführend und anleitend sehr zu empfehlen ist für jeden Betroffenen das Buch "Keine Angst vorm Spiegel".

Tatsächliche Makel beheben

Bei leichten körperlichen Anomalien kann eventuell durch das Beheben des Makels eine Linderung des Leidensdrucks eintreten.

Das kann zum Beispiel heißen, die Essgewohnheiten umzustellen (um abzunehmen), Sport zu treiben (um ab-/zuzunehmen, die Figur zu verbessern) oder chirurgische Korrekturen vornehmen zu lassen. Hier sollte beachtet werden, dass in Deutschland jeder approbierte Arzt Schönheitsoperationen durchführen darf – egal wie viel Erfahrung er auf diesem Gebiet hat. Und jede OP birgt auch gewisse Risiken – so können Schädigungen durch Narkosemittel auftreten und zumeist kann der Erfolg eines Eingriffs nicht garantiert werden.

Insgesamt ist immer zu beachten, dass sich vor allem das innere Verhältnis zum eigenen Körper ändern muss. Allein den Makel zu beseitigen, reicht meist nicht aus.

Man sollte sich darüber klar werden, wie man zum Thema Schönheit steht, was den eigenen Selbstwert ausmacht. Es muss einem klar werden, dass man zum Beispiel nicht erst liebenswert ist, wenn das Wunschziel erreicht ist.

Medikamente

Bei der medikamentösen haben sich in Studien Antidepressiva und hierbei vor allem die so genannten Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SRI = Serotonine Reuptake-Inhibitors) als wirksam erwiesen. Allerdings scheint hier ein Einnahmezeitraum von 12 bis 16 Wochen nötig zu sein, damit die Betroffenen wirklich auf das Medikament ansprechen. Außerdem sollte bei Wirkungslosigkeit ein Wechsel zu einem anderen SRI erwogen werden – einige Patienten sprachen erst auf das vierte ausprobierte Medikament an.

Therapie

Exposition

Die Betroffenen sollen in die Lage versetzt werden, sich wieder in soziale Situationen zu begeben, die sie bislang gemieden haben. Begonnen wird mit Situationen, die am wenigsten beängstigend sind – werden diese Situationen erfolgreich gemeistert, steigert man den Schwierigkeitsgrad, indem sich der Betroffene in immer stärker gefürchtete Situationen begibt.

Response prevention (Vermeiden von „Rückversicherungsverhalten“)

Hier geht es darum, bestimmte Handlungsmuster abzulegen, etwa das Betrachten im Spiegel, lang andauernde Morgentoilette, häufiges Umkleiden, Betasten/Zupfen der Haut, häufiges Messen/Wiegen  usw.

Empfohlen wird beispielsweise, alle Spiegel zu entfernen, sich ein bestimmtes Zeitlimit für den Aufenthalt im Badezimmer vorzugeben oder sich mit anderen Beschäftigungen abzulenken, wenn der Wunsch zu solchen Handlungen verspürt wird.

Ebenfalls kann ein Tagebuch geführt werden, in dem man einträgt, in welchen Situationen oder unter welchen Umständen man bestimmte Verhaltensweisen zeigt. Auf diese Weise sollen sich die Betroffenen klar werden, was das Verhalten auslöst, um es später bewusst zu vermeiden.

Kognitive Therapie

Hier geht es vor allem darum, die negativen Annahmen und Überzeugungen, die die Betroffenen bezüglich ihrer Entstellung haben, aufzudecken und sie nach und nach zu verändern.

Beispielsweise könnte eine Grundeinstellung lauten „Ich muss gut aussehen, weil ich sonst keinen Partner bekomme“ oder „Wenn andere mich anschauen, dann nur deshalb, weil ich so hässlich bin“.

Nachdem zusammen mit dem Therapeuten die negativen Annahmen gesammelt wurden, geht es nun daran, Argumente gegen diese Thesen zu finden bzw. zu begreifen, dass diese Grundüberzeugungen auf falschen Schlussfolgerungen und Interpretationen beruhen.  

Eine Therapeutenliste gibt´s hier: Therapeutenliste

Hinweise für Angehörige

Auch für Angehörige von Dysmorphophobikern ist es oft nicht leicht, mit der Erkrankung richtig umzugehen. Man weiß nicht, was man sagen und wie man sich verhalten soll, um dem Betroffenen zu helfen.Die folgenden Hinweise sollen hier etwas Hilfestellung geben:

Grundsätzlich gilt: die Erkrankung nicht herabspielen und bagatellisieren („Das ist doch nicht so schlimm“) oder den Betroffenen vertrösten („Das wird schon von allein besser“). Dazu muss man sich vor Augen halten, dass Dysmorphophobie eine ernstzunehmende Krankheit ist, die nichts mit Eitelkeit zu tun hat. Sie muss in schweren Fällen therapeutisch behandelt werden.

Deshalb sollten Betroffene ermutigt werden, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und/oder verordnete Medikamente regelmäßig einzunehmen

Es bringt meist nichts, auf Diskussionen über die (angebliche) Hässlichkeit einzugehen und den Betroffenen davon zu überzeugen, dass er nicht entstellt ist. Eine sachlich-rationale Diskussion kann eigentlich gar nicht stattfinden, da der Betroffene nicht rational denkt. Angehörige sind dann frustriert, da alle Versuche, an die Vernunft zu appellieren, fehlschlagen und man das Gefühl hat, das Gegenüber ist uneinsichtig und will sich gar nicht helfen lassen. Der Betroffene dagegen fühlt sich nach solchen Gesprächen unverstanden und abgelehnt – auf diese Weise wird die Kluft immer größer.

Bestimmte Verhaltensweisen, die Dysmorphophobiker aufweisen, sollten nicht weiter unterstützt werden. So sollte man etwa das Aufhängen von zusätzlichen Spiegeln oder das Installieren besonderer Lampen verhindern. Auch das Bereitstellen von Geld, damit sich der Betroffene neue Kleidung oder Kosmetik kaufen kann, sollte vermieden werden. Gleiches gilt für OP-Kosten.

Dieses Verhalten im Einzelfall konsequent durchzuhalten, fällt oftmals sehr schwer und wird von den Betroffenen schnell missverstanden. Sie fühlen sich abgelehnt und grenzen sich noch mehr von ihrer Umwelt ab.

Man muss sich und dem Betroffenen aber klarmachen, dass Dysmorphophobie ein ernsthaftes Problem darstellt und man ihm nicht wirklich hilft, wenn man seine krankhaften Verhaltensweisen unterstützt. Wie schon oben beschrieben, sollte man versuchen, die  Betroffenen zu überzeugen, echte Hilfe zu suchen.

Da viele Dysmorphophobiker sich aufgrund ihrer (vermeintlichen) Hässlichkeit aus sozialen Situationen zurückziehen, sollten sie auf jeden Fall ermuntert werden, sich normalen, „gesunden“ Aktivitäten zuzuwenden - zur Schule/Arbeit zu gehen, Beziehungen zu anderen Personen zu pflegen, einem Hobby nachzugehen oder sich für eine Sache engagieren.

Außerdem sollte man Betroffene immer wieder daran erinnern, dass ein Mensch nicht nur nach seinem Äußeren beurteilt wird. Es gibt viele andere Faktoren, die eine weitaus größere Rolle dabei spielen, ob ein Mensch als liebenswert angesehen wird, etwa sein Einfühlungsvermögen und Verständnis für andere, Hilfsbereitschaft, Selbständigkeit …

Unbedingt vermeiden sollte man Vergleiche mit anderen, die sich auf das äußere Erscheinungsbild beziehen. Dies kann auf einen Dysmorphophobiker sehr verletzend wirken bzw. es kann den Wunsch entstehen, wie die Vergleichsperson auszusehen. Generell sollte man es vermeiden, über die äußere Erscheinung (auch anderer) zu sprechen und stattdessen Aspekte ansprechen, die nichts mit dem Äußeren zu tun haben – um deutlich zu machen, dass das Aussehen nicht entscheidend für den Wert einer Person und somit auch nicht „erwähnenswert“ ist.

Selbsthilfegruppen

- Sekis Berlin ( für nähere Infos anklicken )

Hinweis: Wenn jemand eine SHG kennt oder gründen will: bitte mailt mir - danke!


  

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